Hier sind monatlich neue Berichte über
Ziele, Zustand und (längerfristige) Erfolge der Ozelotts zu finden.
Dezember 2000: Körperbetont, aber kein
Körperkontakt
Mit Aufstiegen verhält es sich in der Regel
so: Zunächst ist die Euphorie riesig. Schließlich scheint dir
Tür zu einer ganz anderen, funkelenden Welt aufgestoßen - frei
nach dem Motto „bigger, better, faster, MORE.“ Später jedoch folgt
nicht selten die nüchterne Erkenntnis, wenig Imposantes in der neuen
Liga vorzufinden. Ähnlich erging es der dritten Mannschaft des TCW.
Nach dem Aufstieg in die 1. Kreisliga hat bis heute noch kein Fernsehteam
den Weg nach Weiden gefunden. Jemand von der Zeitung? Fehlanzeige. Auch
die lokalen Radiosender strafen das sympathische Team mit Desinteresse.
Und da heißt es Köln sei eine Medienstadt. Dabei kommt es den
Weidener All-Stars garnicht auf Publicity an. Der Verzicht auf die Folgeerscheinungen
des erhofften medialen Rummels fällt hingegen schwer: Gerne hätte
sich das Gros der Akteure von leichtbekleideten Groupies massieren,
anhimmeln und umgarnen lassen. Pustekuchen.
Besser läuft es in sportlicher Hinsicht.
Zwar ist der zunächst angepeilte Aufstiegsplatz kaum noch zu erreichen,
doch hat die talentierte Mannschaft durch ihre einsatzfreudige Spielweise
bereits zehn Punkte gesammelt und daher wenigstens mit dem Abstiegskampf
nichts zu tun. Damit dies so bleibt, bedarf es allerdings einer gründlichen
Vorbereitung auf die Rückserie. Vor allem in Sachen Ordnung und Zusammenspiel
muss eine deutliche Steigerung her, um sich nicht nur auf die kämpfersichen
Tugenden verlassen zu müssen. Ob die Ozelots in dieser Hinsicht nach
den Ferien von einem Lizenztrainer getrimmt werden, entscheidet sich in
den nächsten Wochen. Eine Anfrage liegt jedenfalls vor.
Mai 2000: Karneval mit hohen Erwartungen
In der Domstadt herrscht derzeit erstmalig Karneval
im Mai, denn der der 1.FC Köln hat nach zweijährier Abstinenz
endlich den Weg zurück ins Fussball-Oberhaus gefunden. Jenseits des
Geißbockheims, abseits des Stadions, hat auch eine weitere Mannschaft
einen grossen Schritt in Richtung Bundesliga geschafft: Die Weiden Ozelots
sind in die erste Kreisliga aufgestiegen. Schon seit Jahren galten sie
als das Bayern München des Basketballs, präsentierten sich aber
allzuoft eher wie die Dortmunder Borussia: Verkrampft, hektisch und, sagen
wir vorsichtig, mit suboptimalem Erfolg. Vielleicht war es der ausgezeichnete
Saisonstart der in der vergangenen Spielzeit alles anders werden ließ.
Von Beginn an dominierte das Team um Kapitän Alexander Figge die Liga
und beendete die fabelhafte Hinrunde mit nur einer Niederlage. Dabei funktionierten
sowohl die Offence als auch die harte Defence. „Das hier ist Basketball,
nicht Boxen“ war von dem ein oder anderen Gegenspieler zu vernehmen. Verleiche
dieser Art sind aber keinesfalls angebracht. Den zeternden älteren
Herren sei gesagt, dass Basketball, auch in den Niederungen der Kreisliga,
nichts für kleine Mädchen ist. Wer also rustikalen Körpereinsatz
missachtet, sollte sich statt der Kunst des Pick-and-Rolls eher der Rochade
widmen. Das alle Ozelots dies begriffen haben, war letztlich einer der
Garanten für den Aufstieg, denn nach dem Jahreswechsel stellte sich
der Erfolg nicht mehr so leicht ein wie zuvor. Ein Ozelot-Millenium-Bug
hatte sich eingeschlichen. Der Patient: Die Schlagkraft der Offence - wohlgemerkt,
nicht im Sinne des Faustkampfes. So mussten die Spiele weitestgehend über
die Verteidigung entschieden werden. Frei nach dem Motto: Die Null muss
stehen, wenn auch nur hinter der vier, denn nicht mehr als 40 Punkte wurden
den gegnerischen Vereinen im Schnitt gestattet. Unter dem Strich mussten
die dritten Herren des TC Weiden zwei Niederlagen in der zweiten Saisonhälfte
hinnehmen. Nach der Spielzeit 99/00 stehen also insgesamt 3 verlorene bei
12 gewonnenen Partien zu Buche. Dies kann sich wahrlich sehen lassen. Sollte
es gelingen ein Ojigwe-Drama zu vermeiden, sprich das junge Team zusammenzuhalten,
darf man gespannt sein wie es mit den Ozelots weitergeht. Bekanntlich sind
die Cologne 99ers ja nicht aufgestiegen. Die Kölnarena ist in puncto
Basketball also noch unbesetzt.
September 2000: Ozelots wollen 99ers nicht
kopieren
Hübsche Trikots hatten die Cologne 99ers
in der abgelaufenen Spielzeit. Nicht minder attraktiv las sich der Name
der Neuverpflichtungen, inclusive des Trainers. Professionell war das Management
der Sportagentur MMP. Kurzum: Der Aufstieg in die zweithöchste Klasse
hatte angesichts solcher Vorraussetzung nur noch Formcharakter. Bekanntlich
scheiterte das neu formierte Team.
Vor einer ähnlichen Ausgangslage stehen
die Weiden Ozelots. Mit viel Elan wurde das Umfeld der jungen Mannschaft
verbessert, eine Internetseite erstellt (www.ozelotts.50g.com) und der
dünne Ballbestand mit eigenen Mitteln aufgefrischt. Entsprechend hoch
ist die Erwartungshaltung vor der neuen Saison. Zwar sind die Ozelots gerade
erst in die 1.Kreisliga aufgestiegen, doch strebt das Gros der Spieler
erneut eine Spitzenposition in der Endabrechnung an. Das durch Center Tobias
Kirchhoff, Jochen Schmidt und den nach langer Pause wiedergenesen Christian
Maas verstärkte Team hat sicherlich Potenzial genug, um sich auch
in höheren Klassen zu behaupten, fraglich ist jedoch, wie das Rotationsprinzip
auf dem Trainerposten funktionieren wird. Jörg Sokoll, Frank Schillings
und Christian Maas werden im Wechsel den vakanten Posten besetzen - ein
klare Linie verspricht dies nicht zu werden. Trotzdem geben sich die Spieler
zuversichtlich. „Wir haben eine ganz starke Truppe“, findet Pascal Schnelle,
„die sich vor niemandem verstecken muss.“ Vor allem in der Defence darf
man sich wiedermal einiges von der dritten Kraft des Vereins erhoffen.
In der Offence sind auch keine Probleme zu vermuten. Trotzdem: Über
den Aufstieg wird entgegen der Meinung vieler Spieler vermutlich nicht
die Verteidigung oder der Saisonauftakt, sondern die zweite Hälfte
der Serie entscheiden. Nur wenn Motivation, Einsatz und Ausdauer auch nach
der Winterpause noch stimmen, dürfen sich die Weidener zum Favoritenkreis
zählen.
Kommen wir zurück zu unserem mahnenden Beispiel:
Woran sind die 99ers letztlich gescheitert? Nun, nach Aussagen des Leistungsträgers
Gregor Linke war der enorme Druck der Presse für eine Vielzahl der
Aktiven de facto zu groß. Freudig stellen wir daher fest: Den von
den Kölner Medien weitestgehend unbeachteten Ozelots steht nichts
mehr im Wege.